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Interview mit dem Vorstand

Wir befinden uns auf einem sehr aussichtsreichen Weg.

Vor dem Hintergrund von COVID-19 haben wir in diesem Jahr auf ein Vorstandsshooting verzichtet und greifen hier auf bereits be­stehendes Bildmaterial zurück.

DAS GESCHÄFTSJAHR 2019/20 LIEGT HINTER UNS. WIE HAT ES SICH IM GESAMTRÜCKBLICK ENTWICKELT?

Andreas Gerstenmayer Operativ können wir soweit zufrieden sein. Die Themen, die wir uns vorgenommen haben, haben wir realisiert. Wir sind mit der Umsetzung unserer Strategie weitergekommen und unsere Werke befinden sich auf einem guten Weg. Volumenmäßig waren wir nicht so gut ausgelastet wie geplant. Aber ich denke: Wir haben das Jahr gut genutzt, um uns auf künftige Herausforderungen vorzubereiten. Wirtschaftlich haben wir unsere Ziele sicherlich nicht alle erreicht. Wir waren aber auch mit herausfordernden Rahmenbedingungen konfrontiert: Im Automobilbereich drückten Unsicherheiten über die Zukunft des Antriebsstrangs auf die Nachfrage. Der Handelskrieg zwischen den USA und China setzte sich, wenn auch auf niedrigerem Niveau fort. Und das Investitionsverhalten in der europäischen Industrie verharrte weiter auf einem unerwartet schwachen Niveau. Hinzu kam im Schlussquartal COVID-19, der uns in China zu vorübergehenden Werksschließungen zwang.

UND DAS BEDEUTET FÜR DIE KONKRETEN ZAHLEN?

Monika Stoisser-Göhring Dass wir auf der Ertragsseite hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben sind: Beim Umsatz konnten wir zwar ein weiteres Mal die Eine-Milliarde-Euro-Grenze überschreiten. Gegenüber dem Vorjahr gab er um 2,7 % nach. Die EBITDA-Marge lag mit 19,4 % immerhin innerhalb unseres angepassten Zielkorridors von 18 bis 20 %. Das Ergebnis je Aktie betrug unter Abzug der Hybridkapitalzinsen 0,34 €. Es lag damit deutlich unter dem Wert des Vorjahrs. Zu den Gründen für diese Werte zählen neben den unerwartet schwierigen Marktbedingungen die intensiven Vorbereitungen für den strategischen Ausbau des Geschäfts.

Andreas Gerstenmayer Zu Anfang des vierten Quartals waren wir im Vorstand noch zuversichtlich, unsere Guidance für Umsatz und Ergebnis halten zu können. Und wir haben in den vergangenen Monaten alles dafür getan, um dieses Ziel zu erreichen. So haben wir insbesondere auch auf COVID-19 sehr schnell reagiert. Das, was wir beeinflussen konnten, haben wir getan. Ich glaube sogar, dass wir mit unseren Maßnahmen den wirtschaftlichen Effekt klein halten konnten. Das hätte ganz anders ausgehen können. Wir waren unter den ersten, wenn nicht die ersten, die wieder produziert haben. Am Standort in Chongqing I haben wir sogar mit allen Auflagen durchproduziert.

TROTZ DER NIEDRIGEN ERGEBNISZAHLEN PLANEN SIE AUCH FÜR DIESES JAHR WIEDER EINE DIVIDENDENZAHLUNG.

Monika Stoisser-Göhring Das ist richtig: Vor dem Hintergrund der soliden Geschäftsentwicklung werden wir zusammen mit dem Aufsichtsrat der diesjährigen Hauptversammlung eine Dividende von 0,25 € je Aktie vorschlagen. Obwohl die aktuelle Marktsituation aufgrund des globalen Ausnahmezustands gerade eher unübersichtlich ist. Und weil wir fest davon überzeugt sind, dass wir aus unserer Aufstellung und mit unserem Kurs sehr gut auf die Zukunft vorbereitet sind.

Monika Stoisser-Göhring

CFO

„Wir sind fest davon überzeugt, dass wir aus unserer Aufstellung und mit unserem Kurs sehr gut auf die Zukunft vorbereitet sind.“

WIE ENTWICKELN SICH DIE AT&S AKTIVITÄTEN IN DEN STRATEGISCHEN FELDERN 5G, IC-SUBSTRATE UND BIG DATA?

Andreas Gerstenmayer Wir sind in allen drei Bereichen ein gutes Stück vorangekommen: Im Bereich 5G waren wir bisher vor allem auf Mainboards für mobile Endgeräte fokussiert. Inzwischen haben wir hier erste Aufträge für Modulleiterplatten und sprechen mit Infrastrukturanbietern über Themen wie 5G-Basisstationen und Antennentechnologie. Das heißt: Wir können heute deutlich mehr Applikationen adressieren als noch vor einem Jahr. Bei den IC-Substraten haben wir mit den großen Investitionsentscheidungen die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir zukünftig genau in den Märkten vertreten sein können, die in den kommenden Jahren wachsen werden. Der Entschluss für den Bau von Chongqing III stärkt dies noch einmal. Wir werden schon sehr bald die neuesten Technologien in großen Volumina produzieren können. Und durch unsere Stärke im Bereich der IC-Substrate sind wir auch für das Thema Big Data gut positioniert. Die explodierenden Datenvolumina werden uns in den kommenden Jahren attraktive Aufgaben auf den Tisch bringen.

WELCHE BRANCHEN WERDEN SICH VON DER KRISE BESONDERS SCHNELL ERHOLEN KÖNNEN?

Andreas Gerstenmayer Ebenso schwer wie der Schaden in den Branchen lässt sich abschätzen, welcher Bereich sich am schnellsten wieder erholen wird: ist es eher der Investitionsgüterbereich oder eher der Konsumbereich? Was man vielleicht sagen kann ist, dass sich alles, was sich auf Infrastruktur bezieht, früher wieder anziehen wird. Dies deshalb, weil Staaten nach Krisen erfahrungsgemäß an diesen Stellen bewusst Impulse setzen, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, die Kaufkraft zu erhöhen und letztlich die Konjunktur wieder anzukurbeln.

Heinz Moitzi Zudem kann man davon ausgehen, dass das Thema 5G nun verstärkten Rückenwind bekommt: Wir erleben gerade, wie schnell sich die Menschen an die digitale Kommunikation im Geschäftsalltag gewöhnen. Für viele Beschäftigte waren Homeoffice und Videokonferenzen noch vor wenigen Monaten kein Thema. Heute nutzen sie diese Instrumente mit großer Selbstverständlichkeit – mit allen Einschränkungen. Denn klar ist auch: Für die virtuellen Arbeitsweisen reicht die heutige Netzinfrastruktur bei Weitem noch nicht aus. Das wird der nächste Schub sein, der in nächster Zeit auf uns zukommt.

„Für die virtuellen Arbeitsweisen reicht die heutige Netzinfrastruktur bei Weitem noch nicht aus.“ Heinz Moitzi

DIE AUTOMOBILINDUSTRIE LEIDET ZURZEIT BESONDERS STARK UNTER DEM „SHUTDOWN“. WIE BLICKEN SIE AUF DIESE SITUATION AUS AT&S PERSPEKTIVE?

Andreas Gerstenmayer Auch hier ist es so, dass wir schwer abschätzen können, wie stark die Auswirkungen sind – und wie sehr es uns wirklich am Ende treffen wird. Aber wir gehen hier definitiv von Effekten aus. Gerade im Fahrzeugmarkt werden wir aufmerksam beobachten müssen, wie sich die kommenden Monate entwickeln. Es handelt sich hier um einen Markt mit einer komplexen Lieferkette, die zuletzt stark ins Stocken geraten ist. Ich glaube, dass in diesem Bereich eine Erholung vergleichsweise länger braucht.

HABEN SIE ANGESICHTS COVID-19 IHRE STRATEGIE AN IRGENDEINER STELLE NOCH EINMAL ANGEPASST ODER GESCHÄRFT?

Andreas Gerstenmayer Wir haben uns in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit unserer Strategie beschäftigt. Und wir sind uns sicher, dass die Themen, die wir mit unserer Mittelfriststrategie umsetzen wollen, weiter ihre Gültigkeit haben. Ich sehe bei keinem unserer strategischen Schwerpunkte irgendetwas, was die Themen obsolet werden lassen würde. Im Gegenteil: Die Trends, die wir sehen, sind nachhaltig intakt. Einzig beim Timing kann es aufgrund der besonderen Situation in der globalen Ökonomie an der einen oder anderen Stelle zu Verschiebungen kommen.

UND HINSICHTLICH DER WIRTSCHAFTLICHEN AUFSTELLUNG, SEHEN SIE HIER ANPASSUNGSBEDARF?

Monika Stoisser-Göhring Nein. AT&S steht wirtschaftlich weiter sehr stabil da: Unsere Eigenkapitalquote ist mit 41 % grundsolide und unsere Entschuldungsdauer liegt mit 1,3 Jahren deutlich unter dem von uns definierten Maximalwert von drei Jahren. Auch bei den Investitionen läuft alles im Rahmen unserer Planungen, wobei wir aufgrund inhaltlicher Veränderungen in den Projekten im Geschäftsjahr etwa 90 Mio. € weniger als vorgesehen ausgegeben haben. Entsprechend unseren Dispositionen konnten wir unseren Investitionsbedarf auch im vergangenen Geschäftsjahr weitgehend aus eigener Kraft finanzieren. Sollten wir für die Umsetzung unserer Vorhaben tatsächlich zusätzliche Mittel benötigen, stehen uns unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Dass wir in Phasen wie diesen besonders genau auf die Kostenseite schauen, versteht sich von selbst. Aus Vorsichtsgründen, aber auch, weil es unser Anspruch bleibt, dass wir den Großteil des Kapitalbedarfs für unsere Projekte aus unserem Cashflow bedienen.

„Unsere Eigenkapitalquote ist mit 41 % grundsolide und unsere Entschuldungsdauer liegt mit 1,3 Jahren deutlich unter dem von uns definierten Maximalwert von drei Jahren.“ Monika Stoisser-Göhring

FRAU STOISSER-GÖHRING: SIE WURDEN JÜNGST MIT DEM CFO-AWARD AUSGEZEICHNET. DAS ZEIGT, DASS SIE VIEL RICHTIG MACHEN...

Monika Stoisser-Göhring Es zeigt, dass AT&S einiges richtig macht. Wir handeln im Vorstand über ein gutes Zusammenspiel und aus einem gemeinsamen Verständnis heraus. Vor diesem Hintergrund lässt sich auch im Finanzbereich einiges bewegen. Ich denke, dass die zuletzt bei AT&S eingeführten Finanzinstrumente Hybridanleihe und Schuldscheindarlehen in der modernen Corporate Finance zum Standardportfolio gehören. Und auch die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen zu chinesischen Banken ist für uns ein folgerichtiger Schritt. Der weit überwiegende Teil unseres Anlagevermögens arbeitet in Asien und wir kennen den Markt und die Mentalität seiner Menschen gut. Über die Zusammenarbeit im Finanzbereich gewinnen wir wichtiges Vertrauen – nicht nur bei den Banken.

INWIEFERN ERGEBEN SICH FÜR AT&S AUS DER VERÄNDERTEN MARKTLAGE NEUE CHANCEN, ZUM BEISPIEL IN DER MEDIZINTECHNIK?

Andreas Gerstenmayer Natürlich schauen wir uns in einer veränderten Situation auch die Märkte anders an und prüfen zusätzliche Opportunitäten – auch im medizinischen Bereich. Man muss aber zugeben: Vieles von dem, was jetzt besonders gebraucht wird, verwendet Standardtechnologien, die wir bisher sehr bewusst nicht adressiert haben. Aber natürlich suchen wir im Moment auch hier Wege, über die wir in der gegenwärtigen Lage mithelfen können. Das ist ja auch der Grund, warum wir in unserem indischen Werk derzeit trotz des Shutdowns Komponenten für lokale medizintechnische Hersteller produzieren.

Für uns besonders interessant bleiben weiterhin die anspruchsvollen Applikationen, etwa für Herzschrittmacher, Hörgeräte oder Insulinpumpen. Hier ist für uns der Zukunftsmarkt, auf den wir uns mit unserem umfangreichen Technologie-Upgrade an unserem südkoreanischen Standort Ansan auch entsprechend einstellen.

MIT DEN INVESTITIONEN IN ANSAN UND VOR ALLEM MIT DENEN IN CHONGQING STÖSST AT&S DIE TÜR ZUR ZWEITEN UMSATZMILLIARDE AUF. WOHER WERDEN SIE DIE MITARBEITER NEHMEN?

Monika Stoisser-Göhring Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, da es insbesondere darum geht, Mitarbeiter mit den richtigen Kompetenzen zu gewinnen. Wir brauchen Mitarbeiter, die sich von der technischen Seite mit Megatrends wie autonomes Fahren oder digitaler Vernetzung beschäftigen. Um diese an Bord zu bekommen, haben wir das Projekt „Talent Mapping“ aufgesetzt. Darin haben wir die von uns zukünftig benötigten Kompetenzen definiert, sodass wir nun gezielt entsprechende Professionals aus Bereichen wie Mikroelektronik, RF/IC-Design, Chemie und Physik ansprechen können. Flankiert wird das Projekt von einem internationalen Talentprogramm, über das wir Absolventen technischer Studienrichtungen nach einem Jahr Ausbildung bei uns für einen gewissen Zeitraum nach China schicken.

DIE JUNGE GENERATION SUCHT SICH IHREN ARBEITGEBER HEUTE AUCH IMMER MEHR NACH SEINEM WERTEPROFIL AUS...

Monika Stoisser-Göhring Das ist gut, denn Werte sind auch uns wichtig. Wir sind der Auffassung, dass ein stabiles Wertefundament eine notwendige Bedingung für langfristigen Erfolg ist. Deshalb schenken wir Themen wie Nachhaltigkeit, Governance und Diversity eine hohe Aufmerksamkeit und setzen uns anspruchsvolle Ziele: So soll der Frauenanteil bis 2025 von jetzt 34 % auf 45 % erhöht werden.

Heinz Moitzi In unserer Produktion fahren wir bereits heute auf einem hohen Umwelt- und Arbeitssicherheitslevel. Aber auch dieses wollen wir weiter verbessern: Unsere Energieversorgung soll zukünftig zu 80 % aus erneuerbarer Energie erfolgen. Und für unsere Produktgruppen planen wir zukünftig eine Ökobilanzierung.

SIE GEHEN JETZT AUCH IN DIE WELTRAUMTECHNOLOGIE. WELCHE PERSPEKTIVEN VERSPRECHEN SIE SICH HIER?

Heinz Moitzi Das hat sich über die vergangenen Jahre entwickelt und zeigt, dass wir unser Kerngeschäft immer wieder um „neue“ Bereiche ergänzen können. Wir haben die für Belieferung der Luft- und Raumfahrt erforderliche sehr anspruchsvolle Zertifizierung (NADCAP) erworben, weil wir sehen, dass ein Teil der Kommunikationsinfrastruktur auch ins Weltall wandert. Dabei haben wir gelernt, dass unsere Technologien diesen Industrien helfen können, die auch hier wichtiger werdende Miniaturisierung und Gewichtsreduktion kosteneffizient umzusetzen.

Andreas Gerstenmayer In diesen Kontext passt auch die 5G-Entwicklung: Wie erreichen die Netzbetreiber in Zukunft wirtschaftlich diejenigen, die nicht in den Ballungsräumen leben? Dies wird am Ende des Tages nur mit Satelliten-Technologie gehen. Kommunikationssatelliten, Übertragungsstationen, Antennentechnologie, Launch der Satelliten – überall hier können wir mit unseren Lösungen einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten.

Andreas Gerstenmayer

CEO

„Kommunikationssatelliten, Übertragungsstationen, Antennentechnologie, Launch der Satelliten – überall hier können wir mit unseren Lösungen einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten.“

EUROPA SAGT MAN ALS INNOVATIONSSTANDORT ZUWEILEN NACHHOLBEDARF NACH. INWIEFERN SCHRÄNKT DAS AT&S IN SEINER ENTWICKLUNG EIN?

Heinz Moitzi Dass Europa gegenüber anderen Kontinenten rückständig sei, kann man so nicht sagen. Die elektronische Innovationsarbeit ist für Unternehmen unserer Größe heute ein weltweites Geschäft. Und durch seine globale Aufstellung kann AT&S die Vorteile von Asien, USA und Europa gut miteinander verbinden. Wir kooperieren mit Hochschulen und Elektronikeinrichtungen auf unterschiedlichen Kontinenten: in Deutschland zum Beispiel mit dem Fraunhofer Institut und in den USA mit der Elektronikvereinigung iNEMI (International Electronics Manufacturing Initiative) und natürlich mit den österreichischen Universitäten. Darüber hinaus arbeiten wir in der Entwicklung sehr eng mit unseren Kunden zusammen.

Nachholbedarf besitzt Europa im Bereich der industriellen Fertigung: Eine Region, die nur forscht und nicht fertigt,ist auf einem Auge blind. Dies hat die EU aber inzwischen erkannt und fördert auch wieder Basistechnologien. Dies schafft die Voraussetzung dafür, die Supply Chain, die zur Jahrtausendwende nach Asien abgewandert ist, wieder ein Stück weit zurückzuholen. Mit der zunehmenden Digitalisierung lässt sich in Europa der Kostenunterschied immer besser ausgleichen. Aber auch hier ist AT&S bereits jetzt sehr gut aufgestellt. Leoben war und bleibt für uns ein zentraler Standort für die Produktion und als Forschungszentrale von speziellen Anwendungen.

WELCHE NEUEN TECHNOLOGISCHEN POTENZIALE SEHEN SIE FÜR DIE ZUKUNFT?

Heinz Moitzi Zunächst kann man sagen: AT&S bewegt sich heute technologisch in Bereichen, von denen wir vor wenigen Jahren nur geträumt haben. Und unsere Entwicklung geht in rasantem Tempo weiter. Zum Beispiel bei der Miniaturisierung: Wir operieren heute in Größenordnungen bei Leiterzugsbreiten von 10 μm und mit mehr als 1.000 Laserbohrungen je Sekunde mit einem Durchmesser von kleiner gleich 40 μm. In manchen Bereichen dringen wir aber auch schon in den Nanobereich vor und nehmen dementsprechend Tuchfühlung mit Halbleiterthemen auf. Das heißt: Wir stehen gerade an der Schwelle zu neuem technologischen Terrain. Die passenden Technologien dafür zu entwickeln ist anspruchsvoll. Aber es war schon immer eine Kompetenz von AT&S, neue Aufgaben zu sehen und Lösungen dafür zu entwickeln. Dies tun wir wo möglich aus eigener Kraft und wo sinnvoll in Zusammenarbeit mit Partnern.

Heinz Moitzi

COO

„Es war schon immer eine Kompetenz von AT&S, neue Aufgaben zu sehen und Lösungen dafür zu entwickeln.“

COVID-19 HAT DIE INDUSTRIE ÜBER NACHT IN DEN KRISENMODUS GESETZT: WIE LIEF DAS KRISENMANAGEMENT BEI AT&S?

Andreas Gerstenmayer Ich glaube, hier dürfen wir unseren Teams an allen Standorten ein Riesenkompliment aussprechen. Wir haben es in China geschafft, selbst in der höchsten Krisenphase zumindest in einem Werk zu produzieren – wenn auch nicht mit voller Mannschaft. Und auch die anderen Werke konnten wir in relativ kurzer Zeit wieder in Betrieb nehmen. In einer Phase, in der die anderen Fabriken noch standen, konnten wir bereits wieder nennenswert produzieren.

Heinz Moitzi Dabei half uns, dass wir nach SARS 2003 entsprechend sensibilisiert waren. So haben wir bereits im Dezember erste Maßnahmen ergriffen und konnten mit einem ausgeklügelten Krisenmanagement in kürzester Zeit eine Vielzahl von Themen bewältigen: Das Umsetzen von Sicherheitskonzepten, die Reorganisation der Logistik, das Erfüllen von Behördenauflagen. Die gut abgestimmten Abläufe haben uns nicht nur in China geholfen, sondern auch in Indien, Südkorea und Österreich. Wir hatten zu keiner Zeit Probleme mit Schutzmasken und uns ist bis heute kein Infektionsfall bekannt.

DAS KLINGT GERADEZU LEICHT...

Heinz Moitzi Ganz so einfach war es natürlich nicht. Was ich damit sagen will, ist: Die kritischen Themen waren nicht so sehr die Abläufe in unseren Produktionsstätten. Hier konnten wir schnell die passenden Rahmenbedingungen schaffen: an den Arbeitsplätzen und in den Kantinen. Anspruchsvoll war es zum Beispiel bei Themen der Supply Chain. Wenn Sie unter Reisebeschränkungen Maschinen aufbauen wollen und Servicetechniker aus Sicherheitsgründen in die Quarantäne müssen, dann können Sie nicht ins Handbuch schauen, sondern müssen schnell und wirksam Lösungen finden.

DAS JAHR 2020/21: WIE STELLT SICH AT&S AUF DAS LAUFENDE JAHR EIN? LÄSST SICH DIE MITTELFRISTPROGNOSE IN DER AKTUELLEN SITUATION HALTEN?

Andreas Gerstenmayer 2020/21 wird ein Jahr, in dem wir auf Sicht fahren und unsere Annahmen permanent prüfen müssen: nicht im Quartals-, sondern im Monatsrhythmus. Mit COVID-19 lernen wir gegenwärtig in der Weltwirtschaft, dass sich die Dinge buchstäblich über Nacht ändern können. Diese Situation führt aber nicht dazu, dass wir in unserer Produktion Kapazität herausnehmen oder unsere Zukunftsprogramme einstellen. Nach unserer heutigen Auffassung ist unsere Strategie intakt und robust genug, die Mittelfristprognose zu unterstützen: Verdopplung des Umsatzes bei einer EBITDA-Marge von 25 bis 30 %.

Als verantwortungsvolle Unternehmer müssen wir auch das natürlich immer wieder prüfen und entscheiden: Stimmen unsere Schlüsselindikatoren noch oder müssen wir Korrekturen anbringen? Was wir im Moment tun können ist, so gut wie möglich durch die aktuelle Phase zu kommen. Dazu gehen wir mit den laufenden Ausgaben restriktiv um. Gleichzeitig treiben wir unsere strategischen Projekte bei IC-Substraten und Modulen zügig voran.

„Nach unserer heutigen Auffassung ist unsere Strategie intakt und robust genug, die Mittelfristprognose zu unterstützen: Verdopplung des Umsatzes bei einer EBITDA-Marge von 25 bis 30%.“ Andreas Gerstenmayer